Dr. Thomas Möllers legt großen Wert auf das Recycling chemischer Abfälle
Dr. Thomas Möllers legt großen Wert auf das Recycling chemischer Abfälle
Foto: Katrin Sturm

Sortierung chemischer Abfälle in öffentlichen Einrichtungen Dr. Thomas Möllers zum Umgang mit gefährlichen Abfällen an der Universität Heidelberg

Als Abteilungsleiter des Zentralbereichs Neuenheimer Feld der Universität Heidelberg berät und informiert Dr. Möllers seine Kunden zur Entsorgung gefährlicher Abfälle. In unserem Interview gewährt er Einblicke in seine tägliche Arbeit und damit verbundene Herausforderungen.

Schildern Sie uns bitte kurz in welcher Funktion Sie für die Universität Heidelberg tätig sind und was damit verbunden zu Ihren (täglichen) Aufgaben gehört.

Ich bin Abteilungsleiter der Abteilung Chemie des Zentralbereich Neuenheimer Feld, einer zentralen Dienstleistungseinheit der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich zuständig für den Betrieb des zentralen Zwischenlagers für Chemikalienabfälle INF 269 sowie der Annahmestelle für Chemikalienabfälle INF 367 der Universität. Hier stellen wir die sachgerechte Entsorgung und Konditionierung der chemischen Gefahrstoffabfälle der Universität und der Uniklinik sicher, so dass sie an zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe übergeben werden können. Zu den täglichen Aufgaben gehören einerseits die Organisation des Entsorgungsbetriebs in Koordination mit den Entsorgungsfachbetrieben und andererseits die Beratung aller Kunden in Sachen Gefahrstoffentsorgung und Gefahrguttransporte.

Welche Abfälle erreichen Sie im Zentralbereich Neuenheimer Feld aus den unterschiedlichen Bereichen der Universität Heidelberg? Wo fallen besonders viele gefährliche Abfälle an?

Die uns übergebenen Gefahrstoffabfälle stammen sowohl aus Forschung und Lehre der Universität als auch aus Bereichen der Uniklinik. Auch den Instituten angegliederte Werkstätten entsorgen ihre Gefahrstoffabfälle über uns.

Wässrige kontaminierte, zum Teil schwermetallhaltige Abfälle sind mit ca. 30 t/a die größte zu entsorgende Abfallart, gefolgt von ca. 15 t halogenfreien organischen Lösungsmitteln und etwa 10 t halogenhaltigen organischen Lösungsmitteln. Weitere zu entsorgende Abfallarten sind Fixierbäder, Entwicklerbäder, Altöl, Laborchemikalien, kontaminierte Betriebsmittel, Filter- und Aufsaugmassen, Bohr- und Schleifölemulsionen und Thermometerbruch. Das Jahresgesamtaufkommen an chemischen Gefahrstoffabfällen beläuft sich auf ca. 80-90 Tonnen.

Dr. Thomas Möllers

  • promovierter Chemiker (Universität Göttingen)
  • seit 1992 Abteilungsleiter des Zentralbereichs Neuenheimer Feld an der Universität Heidelberg
  • stellvertretender Gefahrgutbeauftragter der Universität Heidelberg
  • baute die Infrastruktur für die Entsorgung gefährlicher Abfälle an der Universität Heidelberg maßgeblich mit auf
  • seine Schwerpunktthemen sind u. a. Entsorgungssicherheit, Recycling und Umweltschutz

Wie kommen die Abfälle bei Ihnen an und wie handhaben Sie die anschließende Sortierung (gefährlicher) Abfälle?

Da die Universität Heidelberg eine Campusuniversität ist, bringen die meisten Kunden ihre Abfälle mit eigenen Transportrollwägen zu unseren Annahmestellen. Bei Einrichtungen außerhalb des Campus, die jedoch einen marginalen Anteil ausmachen, holt ein Transport-LKW die Abfälle ab. Die Sortierung der flüssigen Gefahrstoffabfälle erfolgt durch Umfüllen der Sammelbehälter der Kunden in 450 bis 1000 l-Lagertanks nach den entsprechenden Abfallarten. Die Feststoffe werden direkt vor Ort beim Kunden nach Abfallart sortiert und in Spannringfässer gefüllt. Laborchemikalien werden von uns nach Vorgaben des ADR und des zertifizierten Entsorgungsfachbetriebes sortiert, gelistet und in Spannringfässer verpackt.

Gibt es Leitlinien, Handlungsempfehlungen oder Schulungen für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um über den Umgang mit gefährlichen Stoffen bzw. Abfällen zu informieren?

Für Schulungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität im Umgang mit gefährlichen Stoffen ist die Abteilung „3.3 Sicherheitswesen“ der Universität zuständig. Sie führt in regelmäßigen Abständen Schulungen und Sicherheitstage durch. Unsere Kunden werden als Abfallerzeuger direkt von unserer Abteilung über die Vorgehensweise bei der Gefahrstoffentsorgung informiert oder durch regelmäßige Vorträge auf den aktuellen Stand gebracht. Alle notwendigen Hilfsmittel und Hinweise zur Gefahrstoffentsorgung, wie Abfallkatalog, Annahmekriterien, Indirekteinleiterkriterien, Begleitscheine, Etiketten, Gefahrgutzettel usw. sind über die Homepage der Abteilung „2.1 Chemie“ abrufbar.

Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle an Ihrer Einrichtung und warum?

Eine große Herausforderung stellen die stetigen Veränderungen, sowohl beim Personal als auch bei den Forschungsschwerpunkten, der universitären Einrichtungen dar. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass die Schulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kurzen Abständen angeboten werden und regelmäßig erfolgen.

Spielt das Recycling gefährlicher Abfälle in Ihrer Abteilung eine Rolle? Und wenn ja, inwiefern bewerkstelligen Sie die Aufbereitung bzw. Verwertung der Stoffe?

Das Recycling spielt seit über 20 Jahren eine große Rolle bei der Vermeidung und Wiederverwertung von Gefahrstoffen in der Abteilung „2.1 Chemie“. Etwa 30 % der organischen Lösungsmittelabfälle werden von uns durch Destillation recycelt und in den Stoffkreislauf zurückgeführt. Darüber hinaus betreiben wir noch eine Laborchemikalienbörse. Sie stellt unseren Kunden die nicht genutzten Stoffe kostenlos zur Verfügung.

Welche Empfehlungen geben Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität Heidelberg, wenn Sie Fragen zur sachgemäßen Entsorgung gefährlicher Abfälle erreichen?

Unsere Kunden können sich jederzeit zur Beratung an uns wenden. Wir finden immer eine Lösung, egal für welches Entsorgungsproblem!

Gibt es Kooperationen oder pflegen Sie einen Austausch mit Abfallbeauftragten anderer öffentlicher Einrichtungen? Wenn ja, inwiefern arbeiten Sie zusammen?

Der Rechnungshof Baden-Württemberg unterzog die Universitäten des Landes 2008 einer umfangreichen Prüfung und plädierte dabei für einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch untereinander. Seitdem treffen sich die Abfallbeauftragten der Universitäten und alle mit dem Thema Betrauten ein Mal im Jahr zum Erfahrungsaustausch. Die 7 Hochschulen des Landes weisen alle eine sehr ähnliche Forschungs- und Lehrstruktur auf, ebenso eine ähnliche Größe in Sachen Studierende, Personal und Betriebsflächen. So ergeben sich oft ähnliche Probleme, die durch einen regelmäßigen Gedankenaustausch leichter zu lösen sind. In der Praxis sieht es dann so aus, dass bei diesen Treffen z. B. Behältersysteme verglichen oder neue Rechtsvorschriften besprochen werden.

Haben Sie Hinweise oder Anregungen, die Sie am Thema Interessierten mit auf den Weg geben können?

In Hannover können Abfallbeauftragte und Interessierte regelmäßig an Praxisseminaren, die über die Abfallentsorgung an Hochschulen informieren, teilnehmen.
Außerdem findet einmal jährlich ein Treffen der Abfallbeauftragten, im Besonderen für gefährliche und/ oder chemische Abfälle, der 7 Universitäten von Baden-Württemberg statt. In diesem Jahr beschäftigte sich die Runde z. B. intensiv mit dem Thema „Entsorgung und Transport von Lithium-Ionen-Batterien und Akkus“. Im nächsten Jahr kommen wir dann in Stuttgart zu einem neuen relevanten Thema zusammen. Zusätzlich zu diesen Treffen stehen die Abfallbeauftragten in ständigem Austausch miteinander.

Vielen Dank für das Gespräch!

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