Technische Innovationen modernisieren deutsche Kläranlagen.
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Recyclinginnovation Im Hamburger Hafen wird zukünftig Phosphor aus Fäkalien gewonnen

Neue Recyclinganlage im Klärwerk Köhlbrandhöft verwertet die Fäkalien der Millionenstadt

Phosphor ist für Mensch und Umwelt ein lebensnotwendiger Rohstoff, der zunehmend knapper wird. Deutschland deckt seinen Phosphorbedarf zu 100 % aus Importen. Das Gemeinschaftsprojekt von Hamburg Wasser und dem Entsorgungsunternehmen REMONDIS legte nun in Hamburg den Grundstein für die erste Recyclinganlage zur Gewinnung von Phosphor aus Klärschlamm.

Laut Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ist das eine „geniale Idee“, sowohl im Bezug auf die Umwelt als auch in finanzieller Hinsicht. Das Unternehmen REMONDIS hat ein innovatives TretraPhos-Verfahren für die Recyclinganlage entwickelt, das es ermöglicht, aus der Asche von verbranntem Klärschlamm Phosphorsäure zu gewinnen. Die Ergebnisse des Verfahrens waren so überzeugend, dass nun auch große Mengen recycelt werden sollen. Zwei Jahre lang wurde das System getestet, 2020 soll die Anlage schließlich die Arbeit beginnen.

Nach der Inbetriebnahme der Recyclinganlage für vorgesehene 18,5 Mio. Euro sollen aus jährlich 50.000 t Hamburger Klärschlamm nach der Verbrennung 20.000 t Asche übrig bleiben. Aus dieser können dann ca. 7000 t Phosphorsäure gelöst werden. Des Weiteren entstehen Sekundärrohstoffe wie 8000 t Eisen und Aluminium sowie 12.000 t Gips.

Laut Hamburg-Wasser-Chefin Nathalie Leroy ist Abwasser eine bedeutende und nicht versiegende Energie- und Rohstoffquelle, denn es können 90 % des darin enthaltenen Phosphors zurückgewonnen werden. Die Anlage ist ein Paradebeispiel für die moderne Abfallwirtschaft, dem hoffentlich viele Nachahmer folgen werden. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) erklärte, dass Deutschland auf 60 % der Phosphorimporte verzichten könne, wenn alle deutschen Klärwerke über eine solche Recyclinganlage verfügten.

Quellen

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