Philipp Eisenmann, Exhibition Director der IFAT Munich, kündigt die Highlights der IFAT 2022 an
Philipp Eisenmann, Exhibition Director der IFAT Munich, kündigt die Highlights der IFAT 2022 an
Foto: Messe München

IFAT 2022 "Weniger Müll, Rohstoffe wiederverwenden, sauberes Wasser, klimaresiliente Städte"

Die IFAT öffnet vom 30. Mai bis 3. Juni 2022 ihre Tore in München. Sie ist das größte Netzwerk für Umwelttechnologien, das Industrie, Politik, Kommunen und Wissenschaft zusammenführt. Die Aussteller bilden alle Segmente der IFAT ganzheitlich ab: Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft. Natürlich geht es auch um Recyclinglösungen für Sonderabfälle. Der Fokus von Ausstellung wie Rahmenprogramm liegt auf: Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft sowie Umwelt- und Klimaschutz. Über die Top-Themen und Besonderheiten haben wir mit Philipp Eisenmann, Exhibition Director IFAT Munich, gesprochen.

Sehr geehrter Herr Eisenmann, nach der letzten IFAT 2018 (2020 fiel pandemiebedingt aus) vermeldeten Sie Rekordzahlen bei Ausstellern und Besuchern. Wie sehen die Zahlen und Prognosen für 2022 aus?

Messen sind natürlich immer auch ein Spiegel des internationalen Marktes, wir knüpfen deshalb nicht nahtlos an die Rekordjahre aus der Vor-Corona-Zeit an. Doch mit rund 2.900 Ausstellern aus mehr als 50 Ländern wird die IFAT Munich ihrem Anspruch als weltweit größte Umwelttechnologiemesse wieder gerecht. Die Messe bildet wie gewohnt die Segmente Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft umfassend ab – und gemeinsam mit vielen Partnern haben wir auch wieder ein reichhaltiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt.

Was sind die Themenschwerpunkte der IFAT 2022?

Weniger Müll, Rohstoffe wiederverwenden, sauberes Wasser, klimaresiliente Städte – das sind die Top-Themen der IFAT Munich. Es geht darum, im Schulterschluss mit der Industrie das Verursacherprinzip zu stärken, Rohstoffe effizient (wieder-) zu verwenden und in den Kreislauf zu führen und so Umwelt, Ressourcen und Klima zu schützen.

Internationale Veranstaltungen sehen eine „neue Dynamik in der aufstrebenden Kreislaufwirtschaft“ (Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2020). Inwiefern spiegelt sich die neue Dynamik auf der IFAT wieder?

Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Thema in der Ausstellung wie im Rahmenprogramm. Wir haben sogar vier Sonderflächen zur Kreislaufwirtschaft: Die „Prozesswelt Kunststoffrecycling“ zeigt die Etappen des Kunststoff-Recyclings am Beispiel einer Shampoo-Flasche, „Gelebte Kreislaufwirtschaft – Stoffstrom Kunststoff“ präsentiert Best-Practice-Beispiele der Kunststoffbehandlung, „Kreislaufwirtschaft Mineralik und Nachhaltigkeit im Bauwesen“ veranschaulicht, wie Schadstoffe im Hoch- und Tiefbau entsorgt sowie recyclingfähige Baustoffe gesichert und wieder verwendet werden können und „Wasserstoff in und aus der Kreislaufwirtschaft“ demonstriert, wie aus Abwasser emissionsfrei Wasserstoff hergestellt wird und wo dieser einsetzbar ist.

Philipp Eisenmann

  • Philipp Eisenmann ist Exhibition Director der IFAT Munich.
  • Er begann 2010 seinen Werdegang bei der Messe München und betreut die IFAT seit über 10 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen. Seit 2019 verantwortet er die Veranstaltung federführend als Projektleiter.
  • Philipp Eisenmann hat einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, ehe er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Event- und Messemanagement an der Technischen Universität Chemnitz abschloss. Dabei lag der Fokus u. a. auf der Konzeption von ökologisch nachhaltigen Messen.

Welche Highlights erwarten die Besucher im Schwerpunktbereich „Abfall & Sekundärrohstoffe“?

Das Forum „Abfall / Sekundärstoffe“ in der Halle A5 beleuchtet vom nachhaltigem Produktdesign über chemisches Recycling bis hin zum Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien alle Facetten der Abfall- und Rohstoffwirtschaft. Bei den Live-Demonstrationen im Freigelände werden beim „Autorecycling“ Altautos – auch E-Autos – in ihre Einzelteile zerlegt und die „Crushing Zone“ zeigt lautstark mit großem Gerät wie Baustoffrecycling funktioniert. Erstmals gibt es auch geführte Lösungstouren, zum Beispiel zum Thema Digitalisierung in der Abfallwirtschaft.

Die Abfallverzeichnisverordnung (AVV) führt 842 Abfallarten auf, etwa die Hälfte davon sind mit dem Attribut „gefährlich“ gekennzeichnet. Häufig anfallende gefährliche Abfälle sind u. a. Farb- und Lackierabfälle, Ölabfälle, Ölverschmutzte Betriebsmittel, Elektro(alt)geräte, Spraydosen oder auch Batterien und Akkumulatoren. Zu deren Recycling und Entsorgung finden sich sicherlich auch auf der IFAT Anknüpfungspunkte. Welche sind das?

Auf IFAT finden sich natürlich auch Lösungen für besondere oder gar gefährliche Abfallstoffe. Das Thema Schadstoffmanagement wird immer wichtiger, so auch im Kontext von Mineralischen Stoffströmen, was wir mit der Sonderfläche zur Mineralik und Nachhaltigkeit im Bauwesen abdecken. Über 150 Aussteller werden Lösungen zu verschiedensten Stoffströmen anbieten, auch zu den „gefährlichen“, da lohnt ein Blick in unser Ausstellerverzeichnis.

Im Bereich der Kunststoffabfälle debattiert die Branche über die Vor- und Nachteile des chemisches Recycling. Wie ist die IFAT bei diesem Thema aufgestellt?

Wir sehen ein reges Interesse aus der Chemie- und Kunststoffindustrie, die sich immer mehr mit dem Thema Kreislaufwirtschaft auseinandersetzt. Verschiedenste Player, sowohl Verbände als auch Firmen, bringen sich erstmals auf der IFAT ein und diskutieren mit den etablierten Partnern im Forum „Abfall & Sekundärrohstoffe“ über chemisches Recycling als Baustein der Kreislaufwirtschaft, mit besonderem Fokus auf die Bereiche Automotive und Kunststoff. Die IFAT ist auch hier Plattform für den Austausch.

Die Digitalisierung hat auf Messeveranstaltungen Einzug gehalten. Auch die IFAT 2022 war als Hybrid-Veranstaltung geplant, wird nun aber doch als Präsenz-Messe durchgeführt. Warum?

Wir haben uns gemeinsam mit unseren Partnern entschlossen, die Messe nicht hybrid durchzuführen. Nach zwei Jahren Pandemie wollen die Menschen sich endlich wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen. Wir alle wollen den direkten Austausch und ein Messeerlebnis, wie es eben nur live möglich ist.

Haben auch der Mittelstand bzw. Start-ups eine Chance, auf der IFAT gesehen zu werden?

Unsere Start-up-Area hat größeren Zulauf denn je, hier präsentieren sich knapp 50 Start-ups aus 16 Nationen, auch sie decken die zentralen Themenbereiche der IFAT Munich ab: Was-ser- und Abwasserbehandlung, Abfall und Sekundärrohstoffe sowie Luftreinhaltung und Bodenschutz. Ist doch spannend, dass gerade die ‚jungen Wilden‘ Messen für sich entdecken, sie brauchen dringend der Zugang zu den Märkten, um ihre innovativen Lösungen in die Welt zu tragen.

Als Weltteitmesse für Umwelttechnolgien sieht sich die IFAT als Treiber von Umwelt- und Klimaschutz. Welche Signale an Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sendet die Messe?

Die IFAT steht ja schon lange für diese Themen und wir sind aufgrund unserer Größe eine wichtige Plattform, um ihnen weitere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Deshalb freuen wir uns sehr, dass Bundesumweltministerin Steffi Lemke und der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber die Messe eröffnen werden. Zudem vernetzen sich bei uns alle wichtigen Entscheider, Experten und Marktspieler, treiben gemeinsam Technologien und Lösungen voran, um die Herausforderungen anzupacken. Es kommen auch viele internationale Politiker, um sich über die Möglichkeiten für ihre Projekte im eigenen Land zu informieren.

Ausblick IFAT 2024: Welche Trends und Themen werden in den nächsten Jahren noch stärker nachgefragt sein?

Ob nachhaltige Rohstoffwirtschaft oder klimaresiliente Städte, die Themen der IFAT Munich werden insgesamt immer relevanter. Besonders große Chancen sehe ich bei den Themen Baustoff-Recycling, eine abwasserfreie industrielle Produktion und emissionsfreier Wasserstoff-Gewinnung für den kommunalen Einsatz.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Quellen

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit