Nachhaltigkeit und Verantwortung werden bei der Christiansen Print GmbH groß geschrieben.
Nachhaltigkeit und Verantwortung werden bei der Christiansen Print GmbH groß geschrieben.
Foto: Christiansen Print GmbH

Abfallvermeidung in Druckereien Michael Weber über Recyclingpapier und wasserbasierte Farben

Lackreste, Öle, Fette, Farbpigmente, Druckfarbenreste, Farbschlämme und Kaltreiniger, verunreinigte Putztücher – in Druckereien fallen im laufenden Betrieb oder im Rahmen der Grundreinigung der Maschinen unterschiedlichste Sonderabfälle an. Wenn eine Druckerei dann besonderen Wert auf Abfallreduktion legt, fragen wir gern nach: Michael Weber, Geschäftsführer bei Christiansen Print, über Entsorgungswege, Nachhaltigkeit und Verantwortung innerhalb der Druckindustrie.

Mit über 150 Mitarbeitern an drei Standorten in Deutschland und Frankreich ist Christiansen Print im sachsen-anhaltinischen Ilsenburg europaweit führender Anbieter im Flexo- und digitalem Rollenvordruck dem sogenannten Preprint. Herr Weber, in Ihrer Druckerei werden jährlich hunderte Millionen qm Papierbahnen bedruckt. Bei der Produktion kommen unterschiedlichste Komponenten und Materialien zum Einsatz. Welche sind das und warum sind diese besonders umweltschonend?

Wir drucken vor allem papierbasierte große Formate für Markenartikelhersteller und Industrie auf einer der weltweit größten Digitaldruckmaschinen. Nicht nur die Wellpappenverpackung, sondern auch Einschlagpapiere, Werbebanner und Werbematerialien bis hin zu Tapetendrucken oder großen industriellen Rollendrucken werden bei uns produziert. FSC®-zertifizierte Papiere machen deshalb den Großteil der Papiere aus, die in den Christiansen Print-Werken zum Einsatz kommen. Je nach den Wünschen des Wellpappen-Herstellers werden entweder Kraftliner aus Frischfaser oder aber Recyclingpapiere, sogenannte Testliner, verwendet. Derzeit liegt unser Anteil an Recycling-Papieren bei fast 80 Prozent. Alle Christiansen Print-Standorte sind zertifiziert mit dem FSC®-Gütesiegel für nachhaltige Papierwirtschaft. Die Zertifizierung gewährleistet eine lückenlose Kontrolle der gesamten Prozesskette, vom Baum über den nachhaltigen Druck bis zum fertigen Verpackungsprodukt.

Sämtliche Christiansen Print-Werke produzieren außerdem mit besonders umweltschonenden Farben. Die Farbserie, die im wasserbasierten Flexodruck Verwendung findet, wurde speziell für diese Drucktechnologie entwickelt. Ihre Farben basieren teils auf natürlichen Harzen und zeichnen sich auch durch exzellente Druckeigenschaften aus: hervorragende Farbstärke, Abriebfestigkeit und Viskosität. Damit sind sie eine umweltbewusste Alternative zu konventionellen Farben. Auf unserer Digitaldruckanlage wird mit wasser- und pigmentbasierten CMYK-Farben gedruckt. Auch alle Sonderfarben sind wasserbasierend und mineralölfrei. Sie erfüllen die gleichen strengen Anforderungen an umweltfreundlichen und nachhaltigen Druck wie die CMYK-Standardfarben. Ebenfalls höchste Umweltansprüche gelten bei der Druckveredelung für Glanz, Matt, Effekte, Schutz etc. bei Lacken und Primer.

Das klingt, als würden bei Ihnen keine gefährlichen Abfälle entstehen? Oder haben Sie trotzdem Sondermüll zu beseitigen?

Bei uns steht vor allem die Abfallvermeidung an erster Stelle: durch sorgfältige Lagerung, dichte Verschlüsse und eine konsequente Optimierung von Druckprozessen. In unserer Branche gilt bei der Reduzierung der Abfälle nicht nur der Umweltaspekt, sondern auch wirtschaftliche Faktoren, denn viele Materialien sind im Einsatz äußerst wertvoll. Da wir viel für die Lebensmittelindustrie arbeiten, müssen unsere Verpackungen und deren Bedruckung unbedenklich für Mensch und Umwelt sein. Sicher haben wir aber auch wie andere Druckereien Sonderabfälle. Wir entsorgen verunreinigte Putzlappen, Elektro- und Metallschrott, Gummisleeves von den Flexomaschinen, Klebeband und am Ende einen „Farbkuchen“, der verwertet werden muss. Dieser komprimierte Rest ist der einzige Abfall, der von uns in der Verbrennung landet. Was bei uns generell entfällt, ist die spezielle Behandlung von Farbresten, Lacken und Ölen, von denen aufgrund ihrer Eigenschaften eine Gefahr ausgehen kann. Lacke und Primer kommen bei uns in IBC-Container und werden fachgerecht und sicher entsorgt.

Zum Unternehmen:

  • 2005 | Gründung durch Lars Christiansen am Standort Ilsenburg
  • 2010 | strategische Partnerschaft mit THIMM und Ausbau der Marktposition als größter Flexovordrucker Europas für die Wellpappenindustrie
  • 2016 | vollständige Übernahme von Christiansen Print in die THIMM Gruppe mit den Standorten Ilsenburg, Northeim und Garancières-en-Beauce (Frankreich)
  • 2017 | Inbetriebnahme der ersten digitalen HP PageWide Rollendruckmaschine T1100S in Ilsenburg
  • Eröffnung des neue Papierlagers am Standort Ilsenburg mit einer Kapazität von 1.100 Rollen

Wie koordiniert Christiansen Print die Abfallentsorgung?

Auch wir unterliegen der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) und bei uns fällt vor allem eine Menge Papier an. Wir streben an, eine möglichst hochwertige Verwertung der Gewerbe-Abfälle zu gewährleisten. Zu den Aufgaben unseres Teams dabei gehört sowohl die Sortierung, die Dokumentation, die Koordination mit den Entsorgern und selbstverständlich das Führen des Abfallregisters für die gefährlichen Abfälle.

Ihr Standort in Ilsenburg befindet sich inmitten eines Abwasserschutzgebiets. Gibt es da besondere Vorkehrungen und Umwelt-Maßnahmen in ihrem Betrieb?

Sie spielen sicherlich auf unser anfallendes Prozesswasser an. Im Druck geht nichts ohne das richtige Wasser. Für den Verpackungsdruck sind die Wasserinhaltsstoffe qualitätsbestimmende Faktoren, wie zum Beispiel Kalzium und Magnesium. Unbehandeltes Wasser ist als Prozesswasser ungeeignet. Deshalb bereiten wir unser industriell verwendetes Wasser selbst auf – zum Schutz unserer technischen Anlagen und Maschinen vor Schäden und Verschleiß. Was ebenso heißt, dass wir im Sinne der Nachhaltigkeit, auch unser Restwasser selbst aufbereiten. In großen Fangbecken entziehen wir den Gemischen den Wasseranteil, der wieder in unsere Anlage aufbereitet wird. Zurück bleiben Farbreste, der erwähnte komprimierte Farbkuchen, der in sicheren Tanks dann vom Entsorger abgeholt wird. Hier am Standort überprüft unser Umweltbeauftragter übrigens regelmäßig die Aufbereitung und hält mit den hiesigen Behörden Kontakt.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt vor, dass Abfälle im Sinne der Nachhaltigkeit möglichst einer Verwertung zuzuführen sind, um so wertvolle Materialien / Ressourcen im Stoffkreislauf zu erhalten. Welche Stoffe sind bei der Print-Produktion recycelbar?

Zunächst erst einmal Papier, denn es entstehen wie in jeder Druckerei bei uns Probedrucke und manchmal auch Fehldrucke. Bei einem Druck entstehen ca. 2-5% Abfall vom Gesamtauftragsvolumen. Das ist völlig normal. Das Papier wird dann dem Recyclingkreislauf zugeführt. Dieser Kreislauf funktioniert vorbildlich.

Speziell unsere Kunden in der Wellpappenindustrie fragen zu durchschnittlich 80 Prozent nach Recyclingpapieren. Wir bleiben auch Innovationen gegenüber offen. Gerade laufen zum Beispiel Tests mit Öko-Papier aus Gras, die wir im Verpackungsdruck für unsere Kunden anbieten möchten. Außerdem werden bei uns leere Druckpatronen und Tonerkartuschen aus den Büros an den Hersteller in Extra-Boxen zurückgesendet. HP Planet Partners ist zum Beispiel ein Recyclingprogramm für Verbrauchsmaterialien von Hewlett Packard. Auch andere Hersteller leisten vorbildliche Arbeit mit ihren Rücknahmesystemen.

An welchen Stellen können in der Produktion konkret Abfälle vermieden werden?

Die Anforderungen an Produkt- und Transportverpackungen sind enorm gewachsen: Sie sollen Kommunikations- und Kundenerlebnisfläche sein – immer intelligent, immer individuell. Auf unseren Druckmaschinen bringen wir heutzutage neben dem eigentlichen „Bedrucken“ noch Datencodes, digitale Wasserzeichen und Links ins Druckbild ein. Von der seit Mai 2019 eingeführten, speziell für den wasserbasierten Flexodruck entwickelten Farbserie hatten wir bereits gesprochen. Hier sparen wir seitdem eine Menge Abfall ein und leisten eine Beitrag zum Umweltschutz. Im gleichen Jahr haben wir in der Klischeemontage von Klebebändern auf sogenannte Twinlock Sleeves umgestellt. Das spart neben Zeit im Prozess auch eine Menge Klebeband. Heute fallen wöchentlich drei Container weniger Abfall dadurch an.

Prinzipiell können Abfälle aber immer dann vermieden werden, wenn hohe Stückzahlen hergestellt werden und die Produktion optimiert werden kann. Wenn die Flexo-Maschine einmal eingerichtet ist und läuft, können Kunden von einer hohen Auflage profitieren. Kleine Stückzahlen bedeuten einen höheren Aufwand für die Druckereien, dann ist Digitaldruck die beste Variante: keine Druckplatten oder Klischees, keine Farbmischungen und keine Umschlags-oder Vorbereitungszeiten wie bei analogen Druckverfahren. Ich denke, eine Umstellung von Flexo- auf Digitaldruck und eine Optimierung von Prozessen vermeiden den meisten Abfall in unserer Branche. Und nicht zu vergessen: Ein professioneller Bediener der Druckmaschine, ist die beste Abfallvermeidung!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit