Abfallbeauftragter Matthias Rink gestaltet die Entsorgung im Uniklinikum Marburg ressourcenschonend und nachhaltig
Abfallbeauftragter Matthias Rink gestaltet die Entsorgung im Uniklinikum Marburg ressourcenschonend und nachhaltig
Foto: FES

Entsorgung medizinischer Abfälle Vom Zwischenlager zur mobilen Entsorgung

Matthias Rink ist Abfallbeauftragter des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. Im Interview mit Sonderabfallwissen berichtet er von den Herausforderungen, die bei der Entsorgung medizinischer Abfälle entstehen. In Marburg wurden hierfür fortschrittliche Maßnahmen ergriffen, die auch für andere Kliniken zukunftsweisend sein können.

Schildern Sie uns bitte kurz in welcher Funktion Sie für das Uniklinikum Gießen und Marburg tätig sind und was damit verbunden zu Ihren (täglichen) Aufgaben gehört.

Seit 1992 bin ich als Abfallbeauftragter am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, speziell für den Standort Marburg, zuständig. Neben der Abfallentsorgung bin ich für die Bereiche Abwasser und Gefahrgut tätig. Der Kern meiner Arbeit ist die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Entsorgung der Klinikabfälle. Als Ansprechpartner bei Problemen, mit den zum Teil sehr unterschiedlichen Abfallströmen, bin ich stets darauf bedacht, reibungslose Abläufe für die über 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums zu gewährleisten. Dabei muss ich mich sowohl an gesetzliche als auch an hygienische Vorgaben, die für die Entsorgung gelten und von Überwachungsbehörden geprüft werden, halten. Ein wenig Büroarbeit, wie z. B. das Einholen von Angeboten oder das Erstellen von Ausschreibungen, gehört jedoch ebenso zu meinem beruflichen Alltag.

Welche Abfälle fallen im Klinikum an und welche werden davon als gefährlich eingestuft?

In unserem Klinikum entstehen täglich mehrere Arten von Abfällen, von ganz gewöhnlichen wie Papier und Kunststoff, über solche mit Blut und Sekreten, bis hin zu infektiösem Müll, überwachungsbedürftigen oder ethischen Abfällen. Durch den möglichen Kontakt unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Infektionserregern sind viele dieser Abfälle als potentiell gefährlich eingestuft und werden von uns entsprechend behandelt.

Ein einfaches und selbsterklärendes Prinzip der Sortierung von Abfällen ist in Kliniken enorm wichtig. Das medizinische Personal muss sich auf Patientinnen und Patienten sowie deren Versorgung konzentrieren. Ein zu komplexes System zur Entsorgung wäre an dieser Stelle kontraproduktiv.

Matthias Rink

  • seit 27 Jahren Abfall- und Gefahrgutbeauftragter des Universitätsklinikums Gießen und Marburg am Standort Marburg
  • gelernter Forstwirt
  • Ausbildung zum Umwelttechniker 1990-92

Wie handhaben Sie die Sortierung der unterschiedlichen Abfälle?

Das Wichtigste bei der Sortierung der unterschiedlichen Abfälle ist die richtige Anleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das gesamte Personal und insbesondere die neu hinzukommenden Kolleginnen und Kollegen werden dafür regelmäßig von uns geschult. Mehrmals im Jahr werden ca. 700 Auszubildende mithilfe eines Schulungssystems in verschiedenen Hörsälen vorbereitet. Bei besonderen Entsorgungsfragen bin ich jedoch immer auch direkt vor Ort, um kleine Schulungseinheiten abzuhalten oder ihnen schriftliche „Kurzinformationen“ mit auf den Weg zu geben.

Gibt es Leitlinien, Handlungsempfehlungen oder Schulungen für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um über den Umgang mit gefährlichen Stoffen bzw. Abfällen zu informieren?

In unserem Klinikum steht ein Abfallhandbuch mit über 70 Seiten zur ordnungsgemäßen Sortierung und Entsorgung von Abfällen zur Verfügung. Der Klinikalltag lässt das gänzliche Erfassen dieser vielen Informationen oftmals nicht zu. Daher haben wir verschiedene Leitlinien entwickelt, die auf die unterschiedliche Bereiche, wie z. B. den Laborbereich oder die Pflegeschule, zugeschnitten und zudem stark bebildert sind. Die visuelle Darstellung gesetzlicher Regelungen und Vorschriften ist wesentlich praxisnaher und eignet sich damit besser für den Arbeitsalltag. Auch das Demonstrieren von Negativbeispielen unterstützt das Krankenhauspersonal bei der Sortierung und Entsorgung der Abfälle. Im Jahr schulen wir ca. 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sind stets bemüht, diese Quote aufrechtzuerhalten und weiterhin zu steigern. So sichern wir die Entsorgungsabläufe des gesamten Hauses ab.

Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle an Ihrer Einrichtung und warum?

Insbesondere die Entsorgung chemischer Abfälle stellte zunächst eine Herausforderung dar. Vor einigen Jahren arbeiteten wir mit diesen Abfällen über Zwischenlager in den Abteilungen. Das zuständige Entsorgungsunternehmen hat die Abfälle direkt von diesen Lagern abgeholt. Heute können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kleinstmengen chemischen Abfalls ein Mal im Monat bei unserem Entsorgungsmobil abgeben. Für die Gefahrstoffe stellen wir ihnen Behälter zur Verfügung, die der Gefahrgutverordnung und arbeitsschutzrechtlichen Regeln entsprechen.

Eine Besonderheit in unserem Haus stellt zudem die sogenannte AWT-Anlage, die automatische Warentransport-Anlage, dar. Die Anlage besteht aus einem unterirdischen Schienennetz mit 1,7 km Länge, das vollautomatisch und robotergestützt arbeitet und damit die gesamte Ver- und -Entsorgung im Klinikum übernimmt.

Meldepflichtige Abfälle mit dem Abfallschlüssel 180103*, die mit Krankheitserregern von bspw. Meningitis, HIV oder Diphtherie kontaminiert sind, werden so z. B. in UN-geprüften Behältern über die AWT-Anlage transportiert. Dabei wird auch die Lagerung und Kühlung automatisch übernommen. Kommen Abfälle in der Entsorgungsabteilung an, so weiß das geschulte Personal bereits, welche Abfälle enthalten sind und wie mit ihnen umzugehen ist.

Spielt Recycling im Universitätsklinikum Gießen und Marburg eine Rolle? Und wenn ja, wie sieht das in der Praxis aus?

Das Thema Recycling spielt in unserem Klinikum eine wichtige Rolle. Wir vermeiden Einwegbehälter und nutzen stattdessen Mehrwegbehälter. Das sind spezielle UN-geprüfte Behälter mit 70 l Fassungsvermögen. Mehrere tausend Stück dieser Behälter sind in unserem Haus im Umlauf und wir sammeln darin vor allem Glas, Kartonagen etc. Die Mehrwegbehälter sind zwar teuer im Einkauf, können aber mehrfach verwendet werden. Vor jeder Benutzung werden sie selbstverständlich gewaschen, getrocknet und desinfiziert.

Ein weiterer Aspekt der Ressourcenschonung und -verwertung ist die bereits erwähnte automatische Warentransportanlage. Durch die Nutzung dieses zukunftsweisenden Prinzips sparen wir nicht nur Transportaufwendungen, sondern auch Verpackungsmaterialien. Der zusätzliche Einsatz mehrerer Pressen unterstützt vor allem das Recycling von Papier, Kartonagen und Glas. Ein häufig eingesetztes Verpackungsmaterial ist bspw. Zellophan. Im Klinikum gibt es hierfür eine spezielle Pressanlage, die es letztlich möglich macht, dass die Kunststoffe problemlos recycelt werden können. So gelangen wichtige Ressourcen schnell in den Rohstoffkreislauf zurück.

Selbstverständlich steht auch hinter dem defensiven Einsatz von Behältern der kreislaufwirtschaftliche Gedanke. Je strikter in der Sortierung und Sammlung vorgegangen wird – jedoch immer unter Berücksichtigung der gegebenen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften – desto leichter fällt die Umsetzung der Abfallhierarchie („Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung, Beseitigung“).

Der Nachhaltigkeitsgedanke findet auch in den Büroräumen des Klinikums Anwendung. Hier werden z. B. Behälter für die Sammlung von Papier bereitgestellt. Alle anderen Abfälle müssen in den Teeküchen der Abteilungen entsorgt werden. Manchmal sind es die kleinen Veränderungen von Routinen, die schließlich eine große Auswirkung zur Folge haben und so zu mehr Recycling beitragen.

Welche Empfehlungen geben Sie den Klinik-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wenn Sie Fragen zur sachgemäßen Entsorgung gefährlicher Abfälle erreichen?

Zunächst einmal arbeiten wir eng mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Arbeitssicherheit zusammen. Daher erfolgen auch unsere Schulungen und Informationsveranstaltungen in Kooperation. Das Krankenhauspersonal wird von uns dazu angehalten, im Zweifelsfall immer den persönlichen Kontakt zu uns zu suchen. Viele Probleme lassen sich so z. B. auch schon telefonisch klären, bei komplexeren Anfragen sind wir aber immer auch vor Ort, um zu beraten. Das Erklären im persönlichen Gespräch ist oftmals wesentlich nachhaltiger, als ein schriftlicher Leitfaden, der schnell in Vergessenheit geraten kann.

Gibt es Kooperationen oder pflegen Sie einen Austausch mit Abfallbeauftragten anderer öffentlicher Einrichtungen? Wenn ja, inwiefern arbeiten Sie zusammen?

Laut Abfallbeauftragten-Verordnung müssen Abfallbeauftragte alle zwei Jahre eine „Fachkunde“ absolvieren. Bei diesen Kursen treffe ich andere Abfallbeauftragte aus ganz Deutschland und knüpfe so wertvolle Kontakte, die für einen Austausch und die gegenseitige Beratung sehr hilfreich sind. Um nicht betriebsblind zu werden, ist es mir außerdem sehr wichtig, weiterbildende Veranstaltungen außerhalb unseres Hauses zu besuchen, um so andere Perspektiven zu erhalten und voneinander zu lernen.

Aufgrund der Größe der Hauses, liegt mir jedoch auch eine hausinterne Kooperation der einzelnen Bereiche sehr am Herzen. So befinden sich auf unserem Gelände neben den üblichen Krankenhausstationen auch ein Zentrallabor, eine Klinikapotheke und eine Werksfeuerwehr. Unser Anspruch ist es, dass alle Abteilungen gut über den Entsorgungsbereich informiert sind.

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit