Deutsche Apfel-Plantagen werden im Jahr durchschnittlich 28 Mal mit Pestiziden gespritzt, weist der Pestizidatlas aus
Deutsche Apfel-Plantagen werden im Jahr durchschnittlich 28 Mal mit Pestiziden gespritzt, weist der Pestizidatlas aus
Foto: elephotography (AdobeStock)

Umweltschutz Pestizidatlas warnt vor Gefahren

Umweltorganisationen fordern Bundesregierung zur konsequenten Reduktion von Pestiziden auf

Der gerade veröffentlichte „Pestizidatlas 2022“ warnt vor den Gefahren des Pestizideinsatzes für Mensch, Natur und Umwelt, beleuchtet wirtschaftliche Hintergründe und schlägt Alternativen zur Pestizidnutzung vor. Mit einer repräsentativen Befragung junger Menschen belegt die Publikation ferner, dass in Deutschland eine sehr deutliche Reduktion von Pestiziden Zustimmung finden würde, um insbesondere die Umwelt und Gewässer zu schützen. Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) und Le Monde diplomatique haben die Ausführungen in Kooperation erarbeitet.

Auf Grundlage der aktuellen Daten- und Faktensammlung zur Pestizidnutzung fordern die Umweltorganisationen die Bundesregierung dazu auf, den Einsatz von Pestiziden konsequent zu reduzieren. Toxische Pestizide müssten außerdem verboten werden. In der EU verbotene Pestizide dürften nicht länger exportiert werden.

Um nur einige Fakten und Argumente der Autoren wiederzugeben: Pestizidwirkstoffe richten sich auch gegen Nützlinge und verringern die floristische Artenvielfalt drastisch. Sie schaden der Biodiversität. Sie können versickern und verwehen – nachweislich bis zu 1000 Kilometer weit. Meeressäuger an deutschen Küsten seien bis heute mit Pestiziden belastet, die seit 40 Jahren verboten sind. Auch Rückstände in Lebensmitteln sind bekannt. Weltweit rund 385 Millionen Perstizidvergiftungen durch unzureichenden Arbeitsschutz führen die unmittelbaren Gefahren für den Menschen deutlich vor Augen. Zwar gibt es in der EU strenge Zulassungskritierien, doch die Auswirkungen auf ganze Ökosysteme würden dabei nicht berücksichtigt.

Zum Thema Zulassung: Pflanzenschutzmittel, die ihre Zulassung verlieren oder bereits verloren haben, müssen fachgerecht entsorgt werden, in der Regel über Sonderabfallverbrennungsanlagen mit anschließender Deponierung der Schlacke.

Die eingesetzte Pestizidmenge steigt seit Jahrzehnten an: Zwischen 1990 und 2017 um etwa 80 Prozent. In Deutschland ist die Nutzung zwar rückläufig, aber immer noch werden hier zwischen 27.000 und 35.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe pro Jahr verkauft und auf Äckern und Feldern ausgebracht. Der Koalitionsvertrag zwischen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP kündigt die weitere Reduktion an: „Wir setzen uns für konsequenten Insektenschutz ein, werden den Einsatz von Pestiziden deutlich verringern und die Entwicklung von natur- und umweltverträglichen Alternativen fördern.“

Quellen

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