Tonnenweise in der Umwelt verbleibende Kunststoffe legen u. a. die Einführung von Grenzwerten für Reifenabrieb nahe.
Tonnenweise in der Umwelt verbleibende Kunststoffe legen u. a. die Einführung von Grenzwerten für Reifenabrieb nahe.
Foto: Анатолий Тушенцов (iStock)

Forschung Umweltbundesamt veröffentlicht Zahlen zu Kunststoffen in der Umwelt

Hauptverursacher sind Straßenverkehr, Baubranche, Landwirtschaft und Gartenbau

Einer bislang einzigartigen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge verbleiben in Deutschland jährlich 150.500 bis 253.000 Tonnen an umweltoffen eingesetzten Kunststoffen in der Umwelt. Hauptverursacher ist demnach der Straßenverkehr mit rund 133.000 bis 165.000 Tonnen, gefolgt von der Baubranche (9.000 bis 60.000 Tonnen) sowie Landwirtschaft und Gartenbau (6.000 bis 20.000 Tonnen). Die Zahlen betreffen ausschließlich solche Kunsttoffeinträge, die nicht durch Reinigungs- oder Rückbaumaßnahmen der Umwelt wieder entnommen werden können.

Mit „umweltoffen“ sind Kunststoff- oder kunststoffhaltige Produkte gemeint, die bewusst in der Umwelt eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Reifen von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern, Rohre, Geotextilien, Schuhe, Pflanztöpfe, Klärschlamm, Komposte, Düngemittel und verschiedene andere Kunststofferzeugnisse, die im Außenbereich zum Einsatz kommen. Gegenüberstellend zu diesen wurden in der Erhebung zudem solche Kunststoffeinträge in die Umwelt erfasst, die durch achtloses Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfällen entstehen. Diese als „Littering“ bezeichnete Form der Umweltverschmutzung belaufe sich der Studie nach auf 650 bis 2.500 Tonnen pro Jahr, wobei allerdings 90 Prozent dieser Abfälle wieder aus der Umwelt entfernt werden könnten.

Während dem zunehmenden Problem des Litterings in der Öffentlichkeit hohe Aufmerksamkeit zukommt und der Gesetzgeber diesem etwa mit der Umsetzung der EU-Einwegkunststoffrichtlinie auf Bundesebene entgegensteuert, ist das Bewusstsein für die Umweltbelastung durch umweltoffene Kunststoffe nur gering ausgeprägt. Das Umweltbundesamt fordert daher eine verstärkte Aufmerksamkeit für diese Form der Umweltverschmutzung. „Wir müssen uns jetzt viel stärker auch um die anderen Bereiche kümmern – den Reifenabrieb, die Einträge aus dem Baubereich oder aus Landwirtschaft und Gartenbau“, betont UBA-Präsident Dirk Messner in einer Mitteilung des Umweltbundesamtes. „So sollten zum Beispiel Grenzwerte für Reifenabrieb eingeführt werden“.

Auch bei der Datenerhebung für umweltoffene Kunststoffe bestehe noch Handlungsbedarf. Die sehr großen Spannen zwischen den Werten ergeben sich aus einer momentan noch unzureichenden Datenlage. Aus diesem Grund unterstützt das UBA die Entwicklung von Messmethoden sowie deren Umsetzung in der EU über Untersuchungen in einem eigenen Forschungsprojekt.

Quellen

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