Flüssige, nicht ausgehärtete Farben und Lacke müssen als Sonderabfall entsorgt werden.
Flüssige, nicht ausgehärtete Farben und Lacke müssen als Sonderabfall entsorgt werden.
Foto: Ja'Crispy (iStock)

Farb- und Lackabfälle Altlacke und Altfarben richtig entsorgen

Sie zieren Hausfassaden, Zimmerwände, Möbel, Autos und werden als Korrosionsschutzbeschichtung oder Elektroleitlacke genutzt – kurz: Farben und Lacke finden Anwendung in zahlreichen Industriezweigen und Privathaushalten. Bei der Entsorgung von sogenannten Altfarben und Altlacken, also jenen Materialen, die bei den jeweiligen Arbeiten keine Verwendung fanden oder als Restbestände übrig bleiben, sind ein paar wichtige Aspekte zu beachten. Sonderabfallwissen informiert, welche.

  • Auch wenn die stoffliche Zusammensetzung variiert, koppelt der Anteil oft auch umweltschädlicher Stoffe in Altlacken und Altfarben deren Entsorgung an notwendige und gesetzlich fixierte Parameter.
  • Als grundlegendes Kriterium für das Entsorgen von Farben und Lacke gilt die Unterscheidung: Sind sie wasser- oder lösungsmittelbasiert?
  • Die gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung für ökologische Themen sorgt für eine Zunahme umweltfreundlicher Farben und Lacke.

Allgegenwärtig: Lack und Farbe

Lacke und Farben sind in unserem Alltag so allgegenwärtig, dass man sie kaum noch bewusst registriert. Dabei haben ganze Industriezweige mit ihnen zu tun. Von der Baufirma bis zum Malereibetrieb, vom Kfz- bis zum Schwermaschinenbau, von der Autowerkstatt bis zum Unternehmen für Korrosionsschutz, vom Möbelhersteller und Instrumentenbauer bis zur Druckerei.

Der mit Abstand größte Teilmarkt für Lacke und Farben ist der für Bauten-Anstrichmittel. Rund 1,7 Mio. Tonnen Lacke, Farben und Druckfarben wurden dafür 2020 in Deutschland verkauft. Gute Zahlen macht auch der Umsatz bei Industrielacken für die Beschichtung verschiedenster Fahrzeuge und Maschinenanlagen. Hersteller von Autoreparaturlacken für Kfz-Werkstätten und Lackierereien verzeichnen ebenso traditionell gute Gewinne.

Gleichermaßen ist bei Holz- und Möbellacken eine positive Entwicklung zu registrieren. Geht bei Herstellern der Trend doch zunehmend zu hochwertigen – und das heißt eben auch hochwertig lackierten – Wohn- und Küchenmöbeln.

Schließlich nicht zu vergessen: Der große Einsatzbereich für Speziallacke zum Schutz vor Korrosionen an öffentlichen Bauten (Gebäuden, Brücken usw.), die in Deutschland jährlich einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 90 Mrd. Euro verursachen.

Arten und Zusammensetzung

In ihrer stofflichen Zusammensetzung variieren Farben und Lacke. Wie, ist davon abhängig, für welchen konkreten Anwendungsbereich sie vorgesehen sind. Die Bandbreite allein bei Lacken ist recht umfangreich (Fahrzeuglacke, Fensterlacke, Spannlacke, Einbrennlacke, Ventillacke usw.). Gleichwohl lässt sich unter „Lacken und Farben“ alles subsumieren, was folgende Hauptkomponenten aufweist:

  • Farbpigmente (die ihrerseits Blei, Cadmium, Chrom, Nickel und Zinkchromat enthalten können),
  • Bindemittel,
  • Füllstoffe (Additive),
  • Konservierungsstoffe und Verdickungsmittel,
  • und Lösungsmittel wie Terpentin, Benzin, Alkohol – wobei der jeweilige Anteil darin in einem Bereich von 80 Prozent (Nitrolacke) bis 10 Prozent (Dispersionslacke) variieren kann.

Ob dieser Zusammensetzung – mit zum Teil auch umweltschädlichen Stoffen – ist die Entsorgung von Altlacken und -farben an bestimmte Parameter und gesetzliche Vorgaben gebunden. Priorität hat die Vermeidung von Umweltverschmutzungen, insbesondere über das Abwasser, sowie die Kontamination noch verwertbarer Abfallstoffe.

Entsorgungsparameter für Altfarben und Altlacke

Unter Altfarben und Altlacken fasst man im Einzelnen zusammen:

  • Dispersionsfarben (zäh- bis dünnflüssige Anstrichstoffe, die gemeinhin für Malerarbeiten verwendet werden und aus Bindemitteln auf Basis von Kunstoffen und Pigmenten hergestellt sind),
  • Druckfarben (flüssig, halogenfrei, pastös, wassermischbar),
  • Druckfarbenschlämme (wässrige oder zähflüssige Abfälle, die Druckfarben enthalten),
  • Lacke auf Öl- und Wasserbasis,
  • sowie Auto- und Acryllacke.

Bei der Entsorgung ist vor allem eine Frage ausschlaggebend: Handelt es sich um wasserlösliche oder wasserbasierte bzw. lösemittelfreie oder lösemittelhaltige Farben und Lacke? Auf der durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) in seiner Abfallhierarchie erstellten „Liste der gefährlichen Abfälle aus industriellen Prozessen“ sind dezidiert alle Farb- oder Lackabfälle, Farb- oder Lackschlämme sowie Druckfarbenschlämme aufgeführt, die organische Lösemittel oder andere gefährliche Stoffe enthalten.

Ein erster wichtiger Schritt bei der Entsorgung ist zunächst die Überprüfung der Gefährlichkeit der Substanzen. Bei Farben und Lacken weisen entsprechende Kennzeichnungen (GHS-Piktogramm) und Hinweistexte auf den jeweiligen Behältnissen darauf hin. In der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) sind Altfarben und -lacke unter der Abfallschlüsselnummer AVV 08 01 11* (Farb- und Lackabfälle, die organische Lösemittel und andere gefährliche Stoffe enthalten) als gefährliche Abfälle registriert. Eine gesonderte Abfallschlüsselnummer existiert zudem für Druckereien und die speziell dort auftretenden Druckfarbenabfälle (08 03 12*) und Druckfarbenschlämme (08 03 14*), die gefährliche Stoffe enthalten.

Entsorgung als Sondermüll

Altfarben und -lacke dürfen grundsätzlich nicht über die Toilette bzw. die Kanalisation entsorgt werden. Denn sie greifen die Bausubstanz und Technik öffentlicher Abwasseranlagen an. Weil sie oft auch für die Mikroorganismen in den Becken giftig sind, würden sie den biologischen Abbau in Belebtschlammbecken und damit unser Trinkwasser gefährden.

Prinzipiell gilt: Alle flüssigen, nicht ausgehärteten Farben und Lacke müssen als Sonderabfall entsorgt werden. Gleiches gilt für jene Farben und Lacke, die Lösungsmittel enthalten; bzw. Farb- und Lackgemische unbekannter Zusammensetzung. So sie eingetrocknet sind, können Farben und Acryllacke (wasserbasiert) im Restmüll entsorgt werden, während alle Kunstharzlacke (lösemittelhaltig) zum Werkstoff- oder Recyclinghof oder auch zu Schadstoff-Sammelstellen gebracht werden müssen. Vom Inhalt geleerte Farbeimer und Lackdosen wie auch farb- oder lackgesättigte Arbeitsmaterialien dürfen in den Restmüll – so diese Arbeitsmaterialien entsprechend ausgetrocknet sind.

In haushaltsüblichen Mengen (max. 60 l bzw. 60 kg pro Haushalt) können Lacke und Farben bei Wertstoff- oder Recyclinghöfen sowie Schadstoffmobilen abgegeben werden. Händler nehmen Restbestände zumindest in handelsüblichen Mengen in der Regel wieder zurück. Dazu verpflichtet sind sie laut Chemikaliengesetz (ChemG) immer dann, wenn es sich um Farben und Lacke handelt, die mit einem Gefahrensymbol versehen sind. Aber auch ohne entsprechende Kennzeichnung nehmen die meisten Händler Restbestände kostenlos zurück.

Für umfangreichere Mengen an Altfarben und Altlacken, wie sie etwa bei Bauunternehmen, größeren Werkstätten oder Druckereien entstehen, bieten Entsorgungsfachbetriebe entsprechende Lösungen und regelmäßige Abholservices an.

Behandlungswege und Recycling

Bei Altfarben und Altlacken kommt in der Regel nur eine thermische Endverwertung in Frage. Mitunter werden Farbabfälle auch zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet und in Zementwerken eingesetzt, aber allgemein üblich ist gegenwärtig die fachgerechte Verbrennung in Sondermüllverbrennungsanlagen. Wobei auch für Altfarben und -lacke der Grundsatz verbindlich ist, die Entstehung von Abfall durch eine gute Planung des Arbeitsprozesses samt Kalkulation der benötigten Materialmengen und eventueller Lagerungsmöglichkeiten zu vermeiden bzw. aufs Nötigste zu begrenzen. Sollten nach den jeweiligen Arbeiten größere Mengen Farben und Lacke übrig sein, empfiehlt es sich, diese einzulagern. Trocken, kühl, in luftdicht verschließbaren, bruchsicheren Behältnissen deponiert, können Farben und Lacke über Jahre verwendbar bleiben.

Wiederverwendet werden können nur besonders rein gewonnene Lacke und Farben, etwa in größeren lackverarbeitenden Betrieben, wo Spritzkabinen mit Lackabscheidern und Abluftanlagen mit Wäschern versehen sind. Durch Absorptions- und Adsorptions-Verfahren lassen sich im Übrigen auch Lösemittel aus der Abluft rückgewinnen und wiederverwerten. Bei einigen Druckfarben ist ein Recycling ebenso möglich.

Nachhaltigkeit und Perspektiven

Lacke und Farben schützen Bauwerke und Gegenstände vor Umwelteinflüssen. Sie verhelfen zur Langlebigkeit, schonen Ressourcen und können demnach aus wirtschaftlicher Sicht als nachhaltige Produkte bezeichnet werden.

Seit einiger Zeit ist eine gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung für Umweltthemen zu beobachten, so auch in der Welt der Farben und Lacke. Obgleich in Privathaushalten wie in den verarbeitenden Gewerben oft noch eine gewisse Skepsis gegenüber der Wirkungseffizienz wasserbasierter Farben und Lacke herrscht, bleibt zu konstatieren, dass gleichwohl der Verbrauch umweltfreundlicher wasserlöslicher Produkte zunimmt. Und das nicht nur, weil in den letzten Jahren EU-Richtlinien die Verwendung lösemittelhaltiger Lackprodukte einschränkten, sondern auch die Qualität sogenannter innovativer Farben und Lacke gestiegen ist und sie somit zunehmend als Alternative zu lösemittelhaltigen Produkten wahrgenommen werden.

Zum Thema Lösemittel gibt es in der Branche unterschiedliche Ansichten und Begründungen. Verwender von natürlichen Lösemitteln wie Citrusschalenöl und Balsamterpentin argumentieren mit nachwachsenden Rohstoffen, energiesparender Herstellung und der Kohlendioxid-Bilanz. Hersteller, die auf die aus Erdöl gewonnenen Isoaliphate oder Mischungen aus natürlichen und chemischen Lösemitteln sowie Ethanol schwören, berufen sich auf die gute Gesundheits- und Umweltverträglichkeit und die Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) bestimmter Stoffe.

Viele Hersteller setzen bereits auf umweltschonende Produkte. „Nachwachsende Rohstoffe haben das Potenzial langfristig als nachhaltige Ausgangsstoffe für Pigmente oder Bindemittel zu dienen. Bereits heute sind Produkte auf dem Markt, die größtenteils aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen“, konstatiert der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. Für Bindemittel lassen sich anstelle von Erdöl pflanzliche Öle wie Rizinusöl, Leinöl, Holzöl oder Sojaöl sowie natürliche Harze wie Baumharze und Bienenwachs nutzen. Und nicht nur Farben und Lacke an sich, auch die Gebinde werden bereits aus Recyclingmaterialien hergestellt.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Hersteller in ökologischer Hinsicht deutlich weiterentwickelt. Chemiker, Lackingenieure und Laboranten arbeiten nicht nur an neuen Farben mit neuen Effekten, sondern versuchen den Anteil an flüchtigen organischen Bestandteilen sowie den Energieaufwand zu reduzieren. Im Automobilbereich werden lösungsmittelfreie Pulverklarlacksysteme zur Beschichtung genutzt, wobei so gut wie kein Abfall entsteht. Neuartige Schiffsbeschichtungen senken den Treibstoffverbrauch und vermindern Emissionen. Mithilfe der Nanotechnologie soll demnächst eine neue Generation von Farben und Lacken entstehen. „Bereits heute kommen Nanopartikel in Oberflächenbeschichtungen zum Einsatz. Beispielsweise entspiegeln Antireflexbeschichtungen die Glasoberfläche von Photovoltaik-Modulen und erhöhen dank Reflexionsminimierung deren Wirkungsgrad“, erklärt das Deutsche Lackinstitut.

Quellen

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit