Vanlife: Urlaub im Wohnmobil oder selbst ausgebauten Van liegt im Trend
Vanlife: Urlaub im Wohnmobil oder selbst ausgebauten Van liegt im Trend
Foto: cookelma (iStock)

Abfallmanagement bei Herstellung und Betrieb von Wohnmobilen Vanlife: Das nachhaltigere Reisen

Urlaub im Wohnmobil ist Trend. Doch wo genau liegen dessen Vorteile? Und wie steht es um die ökologische Nachhaltigkeit? Sonderabfallwissen informiert über Produktionsparameter für Wohnmobile, Abfallbeseitigung im großen und kleinen Maßstab, misst den ökologischen Fußabdruck und gibt Tipps für den On-the-Road-Camperurlaub.

  • Auch wenn Corona als „Trendbeschleuniger“ gilt – die Gründe für die anhaltende Caravaning-Renaissance sind mannigfaltig. Und bieten insbesondere zu Fernreisen mit dem Flugzeug eine klimafreundliche Alternative.
  • Beim Reisen wie auch bei der Herstellung von Wohnmobilen, bei der Beseitigung von Abfall an den Produktionsorten wie auch auf Campingplätzen: Das Nachhaltigkeitsprinzip ist einer der inhaltlich-ideellen Caravaning-Grundpfeiler. Dessen Optimierung wird gleichwohl auch von der Herstellerindustrie angestrebt.
  • In Zeiten der immer mehr fokussierten Kreislaufwirtschaft verfolgt auch die Caravaning-Industrie eine effiziente Verzahnung von Produktions- und Entsorgungsstandards nach ökologischen Parametern.

Ein Trend – und was ihn beschleunigt

Vanlife als Lifestyle liegt im Trend. Nicht nur, aber natürlich gerade auch in der schönsten Zeit des Jahres, der Urlaubszeit. Es geht um Individualität, Mobilität, Naturverbundenheit. Und nebenher sicher auch um den Reiz eines gut organisierten Minimalismus, den die Raumbegrenzung eines Campervan so mit sich bringt. Darüber hinaus geht es aber noch um etwas anderes, vielleicht Wichtigeres: Darum nämlich, dass dort, wo etwa der versierte Dauercamper seine Work-Life-Balance optimiert hat, der Urlaubs-Teilzeit-Camper ein Lebensgefühl von Ungebundenheit und Freiheit zelebrieren kann. Es geht um eine andere Art des Auftankens der inneren Batterien, eine Form des Urlaubs, die naturgemäß eine gänzlich andere ist, als jene, die man beim Sonnenbad am Hotelpool erfährt.

Natürlich, Van-Reisen und On-the-Road-Romantik sind nicht neu und erleben seit längerer Zeit eine Renaissance. Dass diese jetzt aber noch einmal einen merklichen Anschub erhielt, hat auch naheliegend pragmatische Gründe. Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD), konstatiert: „Wir sehen Corona vor allem als eine Art Beschleuniger des Caravaning-Trends.“ Wobei schlicht auch Unsicherheiten bezüglich Corona-bedingter Reisebeschränkungen oder Buchungsstornierungen eine Rolle spielen. Zur generellen Flexibilität jedenfalls, mit der man beim Urlaub im Van etwaige Corona-Hotspots wie auch Touristenmassen meiden kann, kommt zugleich die Unabhängigkeit von externen Anbietern wie Airlines oder Hotels noch hinzu.

Wie sehr man das insgesamt inzwischen zu schätzen weiß, mögen die mehr als zehn Millionen Fotos illustrieren, die man allein unter dem Hashtag #Vanlife auf Instagram findet. Oder, etwas nüchterner, die Statistik des CIVD, der seit Juni 2020 bei der Zulassung von Reisemobilen gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 65 Prozent verbuchte. Tendenz steigend.

Nachhaltigeres Reisen

Als ein „vergleichsweise nachhaltiges Reisen“ charakterisiert Onggowinarso den Urlaub im Van. Zu Recht, wie einschlägige Untersuchungen des Instituts für angewandte Ökologie Freiburg oder des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg beweisen. Im Vergleich zu Flugreisen wird dabei nicht nur ein geringerer CO2-Ausstoß vermerkt (je nach Wohnmobil-Fahrzeugtyp und pro Personenkilometer zwischen 181 und 198 Gramm, das sind circa 10 Prozent weniger als bei einem Flug), sondern insgesamt eine positivere Umweltbilanz gezogen: „Wir kommen zu dem Schluss, dass trotz technischer Fortschritte in allen Bereichen, der Urlaub im Wohnmobil eine umwelt- und klimafreundliche Alternative zu Fernreisen insbesondere mit dem Flugzeug bleibt“, resümiert das Institut für angewandte Ökologie Freiburg. Und führt dafür als maßgeblichen Faktor auch die Klimabilanz von Hotels ins Feld: Dauerbeleuchtung in Foyers und Etagenkorridoren, 24-Stunden-Küche, Wärmetheken, die tägliche Reinigung von Handtüchern und Bettbezügen, zu viele Speisen, die von den häufig überladenen Buffets direkt in den Müll wandern – tatsächlich zeigt sich im Kontrast dazu Vanlife als ein Lifestyle ausgeprägten Ökologiebewusstseins.

Das offenbart sich auch in einer Art Camper-Kodex, der dezidiert dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu folgen versucht. In Internetforen werden Tipps darüber ausgetauscht, wie man am besten selber Wasser filtern oder Solarenergie nutzen kann. Und es wird ein Verhaltenskatalog propagiert, der von „Die Natur respektieren“ über „No zu Plastik“ bis hin zu Empfehlungen für schadstoffarme Waschmittel reicht.

Abfallbeseitigung im großen und kleinen Maßstab

Doch gilt das Nachhaltigkeits-Prinzip natürlich nicht nur für das Reisen als solches. Von der Herstellung von Wohnmobilen bis zur fachgerechten Beseitigung der bei der Produktion aufkommenden Abfallmaterialien, verfolgt man in Zeiten der zunehmend forcierten Kreislaufwirtschaft auch in der Wohnmobilindustrie eine effiziente Verzahnung von Produktions- und Entsorgungsstandards nach entsprechend ökologischen Parametern.

Am Beispiel der Carthago Reisemobilbau GmbH lässt sich das exemplarisch aufzeigen. Seit 1979 steht das oberschwäbische Familienunternehmen für „Luxus-Wohnmobile aus einer der modernsten Reisemobilfertigungen Europas“. Neben technologisch-automatisierten Fertigungsabläufen setzt Carthago auch auf einen maßgeblichen Anteil echten, also menschlich-manuellen Handwerks beim Herstellungsprozess. Julian Madlener, Logistikplaner bei Carthago: „In der Automobilbranche ist die Herstellung weitestgehend automatisiert, über Maschinen. Im Gegensatz dazu steckt im Wohnmobilbau weit mehr klassisches Handwerk drin. Unsere Mitarbeiter haben eigene Werkplätze, an denen sie Bauteile für die Möbel unserer Wohnmobile fertigen und behandeln. Was dann vom Putzlappen bis zum Holzverschnitt für etwas mehr Abfall sorgt, als bei Maschinen. Umso wichtiger ist für uns ein gut organisiertes und nachhaltiges Abfallmanagement.“ Und so wie in diesem Fall bei der Entsorgung für die nichtverwertbaren Holzreste die Altholzverordnung in Kraft tritt (Altholz der Kategorien A I bis A III), gelten die gesetzlichen Vorgaben dann auch für die anderen anfallenden Abfälle. Die umfassen u. a.:

  • Reste von Styropor
  • Papier und Pappe
  • Folie
  • Metallschrott
  • restentleerte Behälter
  • Restmüll

Des Weiteren noch verschiedene Gefahrstoffe, die eine professionelle Entsorgung erfordern, u. a.:

Bei Papier, Pappe und Folien ist man darauf bedacht, entsprechende Verpackungen zu reduzieren, etwa indem bei entsprechend genauer vorausschauender Planung, Bauteile mit Sondermaßen auf dafür speziell ausgerüsteten Sonderladungsträgern angeliefert werden. Was eine Verpackung weitgehend hinfällig macht. Keinen Abfall wiederum gibt es in der Regel bezüglich der verwendeten Solarzellen und Batterien, die generell geliefert und verbaut werden.

Verschnitt (oder Ausschnitte) aus den Seitenwänden werden von Entsorgungsunternehmen vergütet, da sie das enthaltene Aluminium im Recyclingprozess zurückgewinnen können.

Nun hat neben den großen industriellen Produktions- und Entsorgungsaspekten natürlich auch der Verbraucher (sprich: der Caravan- oder Wohnmobilbesitzer) auf seinen Reisen ein paar Sachen bezüglich der Abfallentsorgung zu beachten. Vor allem die Mülltrennung mag da, zumal auf dem begrenzten Raum kleinerer Campingfahrzeuge, zur Herausforderung werden. Denn die Möglichkeiten einer strikten Aufteilung nach Bio- und Restmüll, nach Papier, Plastik, Glas usw. hängen natürlich auch maßgeblich von den Platzmöglichkeiten ab, die der Camper dafür bietet. In Großwohnwagen und großen Reisemobilen ist das mehr, weniger oftmals im Kastenwagen oder Camper-Van. In jedem Fall aber gilt es, ein paar grundlegende Sachen zu beachten:

  • Auf Campingplätzen ist die Mülltrennung vom Betreiber vorgeschrieben und folgt den allgemein gültigen Richtlinien samt der entsprechenden Kennzeichnungen (Grüner Punkt, Gelbe Tonne, Gelber Sack usw.)
  • In manchen Orten und auf manchen Campingplätzen muss Plastikmüll separat entsorgt werden (Gelbe Tonne), während er anderswo mit anderen Verpackungen in den Restmüll gegeben werden können.
  • Bioabfälle und Restmüll nicht an Raststätten entsorgen! Die Behälter dort sind ausschließlich für „Reiseabfälle“, nicht für Haushaltsmüll vorgesehen. Der im Wohnmobil anfallende Müll gilt als Haushaltsmüll.
  • Als Ordnungswidrigkeit gilt prinzipiell die Entsorgung von Haushaltsmüll in öffentlichen Abfallbehältern. Je nach Bundesland kann das mit einem Bußgeld von fünf bis zu 1.000 Euro belegt werden (Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) § 17).

Ein besonderes Augenmerk bei der Camping-Müllentsorgung ist auf die Gaskartuschen zu richten, die in der Wohnmobilküche oder den verschiedensten Outdoor-Kochern Verwendung finden. Grundlegend ist hier zu beachten: Leere Gaskartuschen sind Rohstoffe und als solche für eine fachgerechtes Recycling vorgesehen. In Deutschland gehören die restentleerten Kartuschen deshalb in die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack.

Kartuschen sind meistens mit einer flüssigen Mischung aus Butan und Propan befüllt. Bei der Aufbewahrung und den Transport im Wohnmobil, sollte man deshalb aus Sicherheitsgründen darauf achten, dass die Kartuschen vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, die Hitzeeinwirkung nicht über 50° C erreicht.

Für Gaskartuschen trifft noch einmal in gesondertem Maße zu, was freilich allgemeiner Konsens ist: Niemals den Müll in der Natur entsorgen! Ein Grundprinzip, das in hohem Maße auch bei der Reinigung der Wohnmobiltoiletten greift. Auf keinen Fall dürfen die Fäkalien in die Umwelt gekippt werden; die Leerung und Reinigung von Toiletten darf prinzipiell nur an vorgeschriebenen und gekennzeichneten Stellen vorgenommen werden (Camping- und Stellplätze, Raststätten, Kläranlagen). Auch wenn inzwischen selbst in Chemietoiletten zunehmend biologisch abbaubare Sanitärzusätze verwendet werden, ist die Entsorgung des Toilettentanks nur an eben diesen Stationen erlaubt. Zuwiderhandlungen können als Umweltschutz-Ordnungswidrigkeit nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen.

Natürlich sollte man gerade auch beim Campen versuchen, Müll von vornherein zu vermeiden. Etwa indem man beim Einkauf darauf achtet, in welche Materialen die Produkte verpackt sind. Auf Plastik zu verzichten macht da auch deshalb Sinn, weil sich Papiermüll weit platzsparender zusammenfalten und somit deponieren lässt. Auch sind Nachfüllpackungen oder Obst- und Gemüsebeutel aus Baumwolle ein gutes Mittel, Müll zu reduzieren.

So es räumlich möglich ist, bietet es sich an, neben dem schon im Wohnmobil eingebauten noch einen weiteren klappbaren Mülleimer (bzw. eine Falt-Tasche) zu platzieren. Inzwischen bietet der Handel mit Aufhängern versehene Modelle an, die auch mit den Platzverhältnissen in kleineren Wohnmobilen kompatibel sind. Gilt auch für einige Müllbeutelhalter, bzw. Müllsackständer.

Wichtig ist es in jedem Fall, auch im Campingurlaub auf die Mülltrennung zu achten. Aus den selbstverständlichen ökologischen Gründen – und weil Abfälle mitunter schlicht auch nicht abgeholt werden, wenn sie nicht richtig sortiert sind. Campingplätze weisen aus gutem Grund in Broschüren, im Netz und auf Infoschildern oft nachdrücklich darauf hin, wie jeweils am konkreten Ort die korrekte Mülltrennung zu erfolgen hat.

Zukunftsoptionen und Songs for the Road

So ökologisch im Vergleich der Vanlife-Urlaub auch ist – Optimierung geht freilich immer noch. Und wird auch von der Herstellerindustrie angestrebt. Die Optionen reichen von sparsameren und sauberen Motoren bis zu Solaranlagen und Brennstoffzellen als Alternative zum Dieselgenerator. Auch an der Möglichkeit zur Herstellung von Elektro-Wohnmobilen wird gearbeitet. Allerdings sind hier beim momentanen Stand der Entwicklung noch zu hohe Produktionskosten bei gleichzeitig beschränkter Reichweite zu verzeichnen. Was freilich nicht heißt, dass das so bleiben wird.

Man arbeitet also daran, dass der ökologische Fußabdruck kleiner und kleiner wird. Individualität, Naturverbundenheit und Mobilität schließen sich eben nicht aus. Und bilden eine gute Trias für das Auftanken der inneren Batterien. Beim Wohnmobil-Road-Trip ist da natürlich eins noch ganz wichtig ist: Die passende Musik in der Bordanlage. Songs wie Willie Nelsons „On the Road Again“ oder „Have Love Will Travel“ von The Sonics, die dieses ganz bestimmte Gefühl von Ungebundenheit und Freiheit transportieren. Und natürlich lässt sich Lynard Skynards Highway-Hymne „Sweet Home Alabama“ auch auf Mecklenburger Landstraßen schön mitsingen.

Quellen

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit