Das Umdenken in der Gesellschaft ist deutlich spürbar – immer öfter wird auf Elektromobilität gesetzt
Das Umdenken in der Gesellschaft ist deutlich spürbar – immer öfter wird auf Elektromobilität gesetzt
Foto: nrqemi, iStock

Ressourcenbedarf der Zukunft Wie viele Rohstoffe benötigt die E-Mobilität wirklich?

Seit Jahren befasst sich die Automobilindustrie mit neuen Lösungen für klimafreundlichere Fahrzeuge. Der Individualverkehr nimmt dabei nach wie vor einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Wie schaffen wir es uns mit möglichst geringer Umweltbelastung von A nach B zu bewegen und welche Rohstoffe und Stoffmengen brauchen wir dafür in Zukunft?

  • Nicht-erneuerbare Ressourcen werden durch den Lebenswandel der Menschheit zunehmend aufgebraucht. In weniger als 100 Jahren werden wichtige Rohstoffe, wie z. B. Erdöl, endgültig erschöpft sein.
  • Der Elektromobilitätsmarkt wächst und mit ihm auch der Rohstoffbedarf. Elektromobilität spart wiederum auch Rohstoffe (wie z. B. Blei) und vermeidet damit verbundene aufwendige und umweltschädliche Abbauprozesse.
  • Die Rückgewinnung von wertvollen Metallen und seltenen Erden nimmt mit dem Wachstum der Elektromobilität eine immer bedeutendere Rolle ein. Für das Jahr 2050 wird prognostiziert, dass ca. 40 % des Rohstoffbedarfes durch recycelte Stoffe gedeckt werden kann.

Mobilität auf Kosten des Planeten

Klimaforscher- und Experten warnen seit Jahrzehnten vor der drohenden Erschöpfung unseres Planeten. Eine schwedische Schülerin namens Greta Thunberg führt uns dieser Tage noch einmal eindrücklich die Konsequenzen unseres Verhaltens vor Augen und fordert ein Umdenken, das ihrer und allen nachfolgenden Generationen zugutekommen soll.

Neben den enormen CO2-Emissionen ist auch das radikale Erschöpfen von Rohstoffen ein zentrales Problem für Umwelt und Klima. So sind es vor allem die nicht-erneuerbaren Rohstoffe, wie z. B. Aluminum, Kupfer, Graphit, Salze, Kohle oder Erdöl, die abhängig von Abbau und Verbrauch, in einigen Jahrzehnten aufgebraucht sein werden.

Im Zuge dieser Entwicklungen und Prognosen findet auch in der Ökonomie ein Umdenken statt, wenn auch aufgrund politischer Entscheidungen. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gewinnen einen immer höheren Stellenwert in nahezu allen Industriezweigen. Eine der größten Herausforderungen stellt dabei unsere zukünftige Mobilität dar. Globalisierung bedeutet neben freiem Handel, kulturellem Austausch und persönlicher Freiheit auch ein Überwinden großer Entfernungen. Den Preis für Fernreisen oder den Transport von Gütern zahlt dabei viel zu oft die Umwelt.

Die Zukunft ist erneuerbar

Die Endlichkeit der Ressourcen erzwingt den Einsatz erneuerbarer Energien. Mittel- bis langfristig muss beim Antrieb von Fahrzeugen auf die Verwendung fossiler Brennstoffe, wie z. B. Erdöl, verzichtet werden. Die deutsche Automobilindustrie hat das bereits vor vielen Jahren erkannt und reagierte mit der Entwicklung unterschiedlicher Verfahren. Nicht jedes dieser Verfahren war bzw. ist überzeugend oder hat es letztlich auf den Automobilmarkt geschafft.

Der Antrieb von Fahrzeugen mittels Batterien jedoch hat sich durchgesetzt. Inzwischen hat Deutschland den bisherigen Vorreiter Norwegen, zumindest im europäischen Vergleich, von der Spitzenposition des Elektroautomarktes verdrängt. Wurden von Januar bis Juni dieses Jahres 48.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen, so waren es in Norwegen nur 44.000. In der globalen Betrachtung verzeichnen allerdings China und die USA den größten Absatz beim Verkauf von Elektroautos.

Steigender Rohstoffbedarf

Steigende Produktionszahlen und höherer Absatz haben zur Folge, dass auch der Bedarf an Rohstoffen immer weiter wächst. Lithium, Nickel und Kobalt z. B. sind wichtige Metalle, die zur Herstellung der eingesetzten Batterietypen benötigt werden. Zwischen 6 und 11 kg Lithium oder 9 bis 13 kg Kobalt werden dabei für nur eine Antriebsbatterie eingesetzt.

Außerdem spielen seltene Erden eine tragende Rolle für den Ausbau der Elektromobilität. Neodym oder Dysprosium werden so bspw. für die Produktion der Motoren verwendet. Diese finden ihren Einsatz allerdings in wesentlich geringeren Mengen als die bereits genannten Metalle. Dennoch wird dieser Rohstoffbedarf in nur wenigen Jahrzehnten die aktuellen Fördermengen übersteigen.

Recycling als Teil der Lösung

„Bei der dynamischen Entwicklung der Elektromobilität kann es für einzelne Rohstoffe aber zu zeitlich begrenzten Engpässen kommen“, so Dr. Matthias Buchert, Experte für nachhaltige Rohstoffe im Öko-Institut e.V. Aus diesem Grund und in Anbetracht der Ressourcenknappheit ist das Recycling von Altfahrzeugen, Elektro(nik)altgeräten und gebrauchten Batterien unumgänglich.

Mithilfe innovativer Recyclingverfahren können heute bereits viele unterschiedliche Sekundärrohstoffe gewonnen werden. Auch diese Methoden und Verfahren werden stets im Hinblick auf Effizienz und Nachhaltigkeit weiterentwickelt. Buchert sieht hier ein enormes Potenzial: „Beim ambitionierten Ausbau der Recyclinginfrastruktur für Lithium-Ionen-Batterien können im Jahr 2030 rund zehn Prozent und im Jahr 2050 sogar 40 Prozent des weltweiten Bedarfs dieser Rohstoffe für die Elektromobilität durch Batterierecycling gewonnen werden.“

Elektromobilität lohnt sich

Diese zuversichtlichen Prognosen unterstützen den Ausbau des Recyclings und machen die Verwendung von Sekundärrohstoffen auch für Hersteller immer lukrativer. In diesem Zusammenhang darf der Energiesektor jedoch nicht die übergeordneten Ziele aus den Augen verlieren. Neben den Möglichkeiten, die das Recycling bietet, gilt es auch die Effizienz der Batterien zu steigern und den Rohstoffeinsatz generell zu verringern.

Schonend für Mensch und Umwelt ist das Wachstum der Elektromobilität außerdem schon jetzt. Ressourcen, wie z. B. Blei, Platinmetalle oder einige seltene Erden, werden für die E-Technologien nicht benötigt und müssen demnach auch nicht aufwendig abgebaut werden. Die Elektromobilität ermöglicht zudem eine immer größer werdende Unabhängigkeit von Erdöl, dem Energierohstoff, dessen Bestände bereits am weitesten erschöpft worden sind.

Quellen

Alle Angaben ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit